Der “Drawing Room”, die englische Bezeichnung des Salons verdankt seinen Namen dem englischen Verb “to withdraw”, sich zurückziehen. Nach dem Abendessen blieben die Herren im Speisesaal, um Whisky, Portwein und Liköre zu trinken, während die Damen sich in diesen komfortableren Raum zurückzogen. Obwohl es immer noch der prunkvollste Raum im Palast ist, trägt dieser Raum die Narben der Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus als Mädchenschule genutzt. Zu dieser Zeit brach ein Feuer aus und die Wandverkleidung aus Seidenbrokat wurde schwer beschädigt. Das Muster und der Webstuhl existieren jedoch noch in Lyon in Frankreich und die Wandverkleidung könnte (obgleich zu hohen Kosten) ersetzt werden. Wären Sie vor dem Brand Gast im Palast gewesen, hätten Sie einen Raum ohne Gemälde betreten, da die dunkelblaue Seide viel zu schön war, um sie mit Kunstwerken zu bedecken.

Obwohl er nie im neu gestalteten Palast lebte, repräsentiert dieser Raum den 2. Earl of Mansfield und seine herausragende politische Stellung. Seine diplomatische Karriere führte ihn u.a. als Botschafters nach Frankreich. Er war ein regelmäßiger Besucher am Hofe von König Ludwig XVI., und es wird angenommen, dass er dem französischen König den schottischen Reigen (Tanz) beibrachte.

Das höfische Ambiente dieses Raumes verdankt viel den Möbeln und Gemälden des 18. Jahrhunderts, von denen einige die Botschaft und Residenz des 2. Earls schmückten. Besonders erwähnenswert sind die beiden Krönungsporträts von König George III. und Königin Charlotte, die einst in seiner französischen Botschaft hingen. Diese imposanten Gemälde (Öl auf Leinwand) wurden vom schottischen Künstler Allan Ramsay und seiner Werkstatt gemalt. In der hinteren Ecke des Raumes befindet sich ein Fragment einer Schürze von Königin Charlotte. Sie ist mit farbiger Seide und Chenille bestickt und die Königin selbst soll sie einem Familienmitglied geschenkt haben.

Auf beiden Seite der Tür hängen die moderneren Porträts des 7. Earls und der Gräfin von Mansfield, den Großeltern des derzeitigen Earls. Das kokette Bild von Dorothea Carnegie wurde 1927 von Philip de László gemalt, der 1930 auch den 7. Earl malte.

Wenn Sie zum anderen Ende des Raumes blicken, sehen Sie ein weiteres Porträt. Der Mann, der freundlich auf Sie herabschaut und mit einem üppigen roten Gewand bekleidet ist, ist William Murray, der 1. Earl of Mansfield, gemalt von Sir Joshua Reynolds im Jahr 1776. Dieser bemerkenswerte Mann brachte das Earldom (Grafentum) in die Familie. Er verließ Scone Palace im Alter von 13 Jahren, um die Westminster School in London zu besuchen. Er war fleißig, arbeitete hart und stieg schließlich in den juristischen Stand auf, bevor er zum Lord Chief Justice von England (dt. Lordoberrichter) ernannt wurde. Er war ein mitfühlender Mann, der für die Rechte von Minderheiten kämpfte. Der Fall, für den er der Nachwelt am meisten in Erinnerung blieb, ist der Fall Somerset gegen Stewart von 1772. Dieser öffentlichwirksame und bahnbrechende Fall stellte die Sklaverei auf britischem Boden in Frage und setzte damit eine der größten Veränderungen in der britischen Geschichte in Gang, die Abschaffung der Sklaverei.

Es waren seine Dienste für das britische Recht, die ihm 1776 das Earldom einbrachten. So einflussreich waren seine 32 Jahre als Lord Chief Justice, dass viele Praktiken im heutigen Recht von ihm eingeführt oder als Rechtsgrundsatz verankert wurden. Wenn Sie mehr über den Fall Somerset vs. Stewart oder einen der anderen bekannten Fälle wissen möchten, über die der 1. Earl verhandelt hat, fragen Sie bitte den Führer oder die Führerin in Ihrem Raum.

An der Wand neben dem 1. Earl hängt ein Porträt seiner Frau Elizabeth, gemalt von dem schottischen Künstler David Martin. Es zeigt die Gräfin in der Bibliothek von Kenwood House, das immer noch am Rande von Hampstead Heath in London steht. Das Ehepaar, das keine eigenen Kinder hatte, zog seine beiden Großnichten in Kenwood House auf, von denen eines der Mädchen gemischt-ethnischer Abstammung war. In einem späteren Raum sehen Sie ein bezauberndes Porträt dieser beiden Mädchen.

Das modernste Gemälde im Palast steht auf einem Staffelei in der Ecke des Raumes. Gemalt von Carlos Sancha im Jahr 1994, zeigt es den verstorbenen (8.) Earl of Mansfield, seinen Sohn, den jetzigen (9.) Earl und seinen Enkel, den Viscount Stormont als kleinen Jungen.

An der Wandseite des Raumes steht ein Satz Louis XV. Giltwood-Fauteuils (Sessel aus vergoldetem Holz). Als Teil eines zwölfteiligen Ensembles, besitzt jeder Stuhl einen geformten, mit geschnitzten Blumen und Blättern verzierten Rahmen, Saint-Cyr Stickereiarbeiten mit Bérainesken Figuren und Tieren (nach dem Designer Jean Bérain, dem Älteren benannte Ornamente) auf den Armlehnen und eine geschwungene Sitzfläche.

Ebenfalls erwähnenswert in diesem Raum sind drei frühe mit vergoldeten Bronzeapplikationen verzierte Boulle-Beistelltische aus dem 19. Jahrhundert (im Stil von André-Charles Boulle), einer in ‘Première-Partie' und zwei in ‘Contre-Partie’. (Zinn- oder Messingeinlegearbeiten auf Schildplatt wurden als ‘Première-Partie’ bezeichnet, während Schildplatteinlegearbeiten auf Messing oder Zinn als ‘Contre-Partie’ bezeichnet wurden.) Jeder Tisch besitzt eine Marmorplatte aus Sienna Marmor sowie Friese, Beine und Verstrebungen mit Intarsien aus Messing. Sie werden Philippe François Julliot zugeschrieben.

Ebenfalls in diesem Raum ausgestellt sind ein Paar Chinesische Porzellanvasen aus der Kang-Hsi Periode (1662-1722) mit Louis XV. Ormolu-Montierung. Die Farbe ist als "Sang de Boeuf" oder Ochsenblut bekannt. Die Vasen wurden im 19. Jahrhundert in Frankreich aufwendig in vergoldeter Bronze montiert und formen schlanke Krüge. Sie waren ursprünglich Teil der Königlichen Französischen Sammlung.

Der eher unscheinbare Tisch vor dem großen Fenster am Ende des Raumes ist mit 141 Marmorstücken eingelegt. Er wurde dem 3. Earl aus Italien geschickt, um den Marmor für die Kamine rund um den Palast auszuwählen. Er wird von einem wunderschönen Sockel aus schottischem Granit getragen.