Die Lange Galerie mag nicht das gemütlichste Zimmer im Palast sein, aber sie ist vielleicht das beeindruckendste. Dieser Raum wurde für Zwecke der Erholung gestaltet, ein Ort, an dem Damen auf und ab gehen konnten, wenn das schottische Wetter sie daran hinderte, sich im Freien zu bewegen. Hätten Sie den Palast zu Zeiten der Familie Gowrie oder früherer Generationen der Familie Murray besucht, hätte der Raum ganz anders ausgesehen. Bevor der Palast vom 3. Earl umgebaut wurde, waren die Wände dieses Raumes mit mittelalterlichen Wandmalereien geschmückt, die Jagdszenen darstellten. Diese gingen leider aufgrund eines Missverständnisses zwischen dem 3. Earl, seinem Architekten William Atkinson und dem Baubeauftragten verloren. Die außergewöhnlichen Proportionen der Galerie blieben jedoch erhalten, und mit ihren 150 Fuß (45 Metern) Länge ist der Raum immer noch der längste Raum in einem privaten Haus in Schottland.

Der Raum erinnert an eine Galerie, mit Porträts entlang der gesamten Innenwand. Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um das kleine Gemälde auf der Staffelei rechts von Ihnen zu betrachten, wenn Sie den Raum betreten. Dieses Ölgemälde auf Holz zeigt die Lange Galerie zur Zeit des Besuchs von Königin Victoria. Es wurde von John Gibb im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts gemalt und vermittelt einen wertvollen Einblick, wie der Raum zu dieser Zeit eingerichtet war und wie er genutzt wurde.

Wenn Sie die Lange Galerie entlangschreiten, werden viele Gesichter auf Sie herabblicken, von denen die meisten Vorfahren der heutigen Familie sind. Auf der linken Seite befindet sich ein Gemälde von Francesco Trevisani (nicht von Van Loo wie es auf der Gedenktafel steht), das James Murray, den jakobitischen Earl of Dunbar (ca. 1690-1770) zeigt. James Murray wuchs in einem protestantischen und jakobitischen Haushalt auf und wurde später Außenminister von James Francis Edward Stuart (dem alten Prätendenten), der ihn 1721 zum Earl of Dunbar, 1725 zum Knight of the Thistle (Ritter des Distelordens) und im Juni 1727 zum Erzieher des Prince of Wales ernannte.

Am anderen Ende der Galerie befindet sich ein Porträt von Marjory Murray (The Hon. Mrs. Hay, gest. 1768), Tochter des 5. Viscount, ebenfalls gemalt von Francesco Trevisani (1656-1746), obwohl die Tafel darunter das Werk wiederum fälschlicherweise dem niederländischen Künstler Van Loo zuschreibt. Sie heiratete John Hay von Cromlix, den jakobitischen Herzog von Inverness. Er war Höfling und Armeeoffizier von König James VIII. und III., auch bekannt als „The Old Pretender“ (der alte Prätendent). Das Dreiviertelporträt zeigt sie in einem weißen Kleid und blauen Umhang, wie sie eine Blumenvase auf dem Tisch arrangiert.

Die Arbeit von Trevisani setzt sich mit einem Porträt von David Murray, dem 6. Viscount Stormont (gest. 1748) fort. Diese Halbfigurkomposition zeigt den 6. Viscount in einem braunen Mantel und einer in rot und gold bestickten Weste. Er war der Bruder von Marjory und James und auch der Bruder des 1. Earl of Mansfield.

Die Lange Galerie war Schauplatz zahlreicher wichtiger Momente in der schottischen Geschichte. Im Jahr 1651 schritt Charles II. in einer Prozession durch die Lange Galerie auf dem Weg zu seiner Krönung auf dem Moot Hill.

Im Jahr 1716 kam der alte Prätendent, James Edward Francis Stuart, nach Scone, um hier gekrönt zu werden, eine Krönung, die allerdings nie stattfand, da er in aller Hast abreisen musste, als ihn die Nachricht vom Näherrücken der feindlichen Hannoverschen Truppen von Georg I. erreichte.

Später, im Jahr 1842, wurde der polierte Eichenboden als eine Art Eissporthalle genutzt, als der 4. Earl of Mansfield Königin Victoria und Prinz Albert während ihres ersten Besuchs in Schottland eine Demonstration im Curling (Eisschießen) gab. Prinz Albert war von dem Spiel so fasziniert, dass er sich bereit erklärte, Schirmherr des neu gegründeten Royal Caledonian Curling Club zu werden.

Unter den vielen Schätzen der Langen Galerie befindet sich die markante Sammlung von Vernis-Martin-Vasen und -Ornamenten. Sie waren ursprünglich Teil eines 120-teiligen Sets. Die hier vorliegenden 70 Stücke wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts vom 4. Earl erworben. Sie sind in vier Glasvitrinen ausgestellt, welche in regelmäßigen Abständen entlang der Galeriewand platziert sind. Der Begriff ‘Vernis Martin’ (französisch für Martin Lacke) avancierte zum Gattungsbegriff und steht für die Perfektion eines transparenten glasierten Lackes, der von den Brüdern Martin in Frankreich Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelt wurde. Die Vasen, Urnen und Becher, die die Vernis Martin Sammlung ausmachen, sind aus Pappmaché gefertigt und haben silbervergoldete Halterungen. Die restlichen 50 Stücke wurden vom Zaren von Russland gekauft und bis zu ihrem Verschwinden im Jahr 1917 in der Eremitage in Sankt Petersburg ausgestellt.

In regelmäßigen Abständen entlang der Langen Galerie befinden sich Armlehnstühle aus Padoukholz, welche in China nach Englischen Design für den Exportmarkt hergestellt wurden. Sie sind Teil eines siebzehnteiligen Sets aus dem späten 18. Jahrhundert. Jeder Stuhl ist im Stil von Chippendale gefertigt und verfügt ũber gitterförmig durchbrochene Rücken- und Armlehnen.

Auf halbem Weg in der Mitte der Galerie, zwischen einem Fensterpaar, befindet sich ein Teetischchen im Stil William IV. aus Rosenholz. Dieses kleine, freistehende Möbelstück wurde verwendet, um teuren Tee aufzubewahren. Wenn Sie sich das Schloss genau ansehen, sehen Sie Kratzer, wo jemand versucht hat, das Schloss mit Gewalt zu öffnen.

Besonders einfühlsam im Licht eines Fensters platziert ist eine Marmorskulptur von Lady Susan Murray - der Ururgroßmutter des heutigen Earls, im Alter von 3 Monaten. Diese bezaubernde Skulptur aus italienischem Carrara-Marmor von Sir Richard Westmacott RA (Royal Academy of Arts) (1775-1865) fängt die Unschuld des schlafenden Säuglings perfekt ein.

Am anderen Ende der Galerie befindet sich eine Orgel, die 1813 vom englischen Orgelbauer Thomas Elliot gebaut wurde. Sie war ein Geschenk des 3. Earls an seine Ehefrau Frederica zu ihrem Geburtstag. Die Orgel befindet sich im Originalzustand, abgesehen von einem elektrischen Gebläse, das im Jahr 1969 eingebaut wurde. Es ist selten, eine Orgel ähnlichen Alters in Großbritannien zu finden, die nicht irgendwann einer umfangreichen Renovierung oder Restaurierung unterzogen wurde. Obwohl die Orgelpfeifen korrodiert sind, funktioniert die Orgel immer noch einwandfrei.